Ressort
Vereinswappen
Erstellt
08.10.2008, 20:59
Text
Christoph Schmiedhofer

Vasco da Gama: Gigante da Colina

1898 waren vier portugiesische Einwanderer aus Rio de Janeiro des Reisens nach Niterói, um in den Booten des dort ansässigen Ruderclubs ihrem Lieblingssport nachgehen zu können, müde, sodass sie beschlossen, einen eigenen Verein zu gründen. So schlug am 21. August die Geburtsstunde eines Clubs, der zu einem der erfolgreichsten Brasiliens werden sollte: Vasco da Gama.


1915 gesellte sich zur erfolgreichen Rudersektion eine Fußballabteilung. Beim Rudern wie beim Fußball, damals beides ein Sport der Eliten, blies Vasco da Gama, das von Beginn an sozial engagiert und offen für alle Gesellschaftsschichten und Hautfarben war, ein rauer Wind entgegen. Schon 1904 stellte man sich mit der Wahl des ersten dunkelhäutigen Vereinspräsidenten eines Sportclubs in Brasilien überhaupt demonstrativ gegen die herrschende Ordnung. Mehrfach wurde der Verein von offizieller Seite aufgefordert, arme und dunkelhäutige Spieler aus seinen Reihen zu verbannen.
Dass der Verein seinen Prinzipien stets treu blieb, macht bis heute einen wesentlichen Teil seiner stolzen Geschichte aus. Selbstredend gebührt dem »Gigante da Colina« ein ansehnliches Vereinswappen. Dort thront auf einem in den Clubfarben schwarz und weiß gestreiften Schild, nebst den Initialen »CR« und »VG«, die für den offiziellen Namen »Club de Regatas Vasco da Gama« stehen, eine Karavelle.
Beides, Name wie Karavelle, ist eine Reminiszenz an den portugiesischen Seefahrer und Entdecker des Seewegs nach Indien, Dom Vasco da Gama, der Portugal Anfang des 16. Jahrhunderts eine hegemoniale Stellung als Seemacht in weiten Teilen des Indischen Ozeans sicherte. Voraussetzung dafür war der Schiffstypus der Karavelle, die dank ihrer besonderen Eigenschaften, hoch am Wind segeln zu können, die Fahrzeit deutlich verkürzte. Die Segel schmückt das rote Tatzenkreuz in seiner ursprünglichen Form mit gebogenen Außenlinien der Kreuzarme, anfänglich ausschließlich den Kreuzfahrern vorbehalten. Bis in die 1970er-Jahre hatte man noch das Prankenkreuz des portugiesischen Christusordens auf Wappen und Dressen geführt, zumal Dom Vasco da Gama Ritter eben dieses Ordens war.
An neuzeitlichen Helden mangelt es dem im São Januário-Stadion spielenden Club ebenso wenig. Die Vereinschronik zieren große Namen. Etwa Carlos Roberto »Dinamite« de Oliveira, der in fast 20 Jahren für Vasco insgesamt 698 Tore erzielte. Oder Ademir, vierfacher brasilianischer Meister mit Vasco und WM-Torschützenkönig 1950. Und natürlich Romário: Der Heimkehrer krönte im Mai 2007 seine eindrucksvolle Karriere mit dem (inoffiziellen) 1.000sten Tor beim 3:1-Sieg Vasco da Gamas gegen Sport Recife.
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