Ein Zeitdokument
Im Rahmen einer Publikationsreihe, die sich mit kulturellen Phänomenen unserer Gesellschaft auseinandersetzt, versucht das Grazer »Büro der Erinnerungen« am Landesmuseum Joanneum mit dem Buch »kicken« das große Faszinosum Fußball, die aus so vielfältigen Facetten zusammengesetzte »wichtigste Nebensache der Welt«, an Hand persönlicher Erinnerungen aktiver wie passiver Protagonisten dieses Sports zu ergründen. Die Öffentlichkeit war aufgerufen, private Fotografien und Erzählungen beizutragen.
Herausgekommen ist ein unglaublich liebenswertes Sammelsurium an Erinnerungen, Geschichten und Anekdoten, die von persönlichen Glücksmomen ten, schmerzlichen Niederlagen und geschichts trächtigen Ereignissen rund um den Fußball erzählen. Dass man sich dabei auch sprachlich nahe an den Menschen bewegt, mögen die Worte von Mario Haas veranschaulichen, der dem Leser die Gefahren, die ein Triumphzug in offenen Autos mit sich bringen kann, in ganz besonderen Worten näherbringt: »Wir sind losgefahren, bupf! Und den Schopp hat’s volle Kanne rausgehauen. Fast die Schwerverletzung!«
Begleitet von zahlreichen privaten, oft großformatigen Fotoaufnahmen und vervollständigt durch informative Essays über Problem- und Spannungsfelder des Fußballs, etwa über Antisemitismus und Fußball am Beispiel der Hakoah Graz, Clubs und Identitätskonzepte oder den Umgang der Fußballindustrie mit Frauen, dokumentiert »kicken« gleichzeitig die Geschichte und Entwicklung des steirischen Fußballs von 1900 bis heute und schafft damit selbst ein einzigartiges Zeitdokument. Selbstverständlich kann und will »kicken« das Phänomen des runden Leders, wiewohl es dieses um etliche ebenso sympathische wie lesenswerte Seiten erweitert, nicht letztgültig erklären. Da lassen wir lieber einem Großen des Fußballsports, Ivica Osim, das letzte Wort: »Fußball ist nicht Tennis.« Amen.
Bewertung
10/11
Kicken
Elke Murlasits, Maria Froihofer, Oliver Parfi
Verlag: Bibliothek der Provinz, 2007
328 Seiten, EUR 28,00