Ressort
Vereinswappen
Erstellt
17.11.2008, 15:07
Text
Christoph Schmiedhofer

Arsenal F.C.: The Gunners

Die Geschichte des Vereinswappens des Arbeiterklubs aus London ist eine ebenso lange wie bewegte. Insgesamt acht mehr oder minder unterschiedlich ausgestaltete Darstellungen hat man sich bei den Gunners im Laufe der Vereinsgeschichte verliehen, ehe man 2002 zur nunmehr aktuellen Form fand.


Der 1886 von Arbeitern in Woolwich, einem in den Londoner Docklands gelegenen Stadtteil, gegründete Verein gab sich erstmals zwei Jahre nach seiner Geburt ein Wappen, dessen Herzstück drei nach Norden weisende, mit einem geschnitzten Löwenkopf ornamentierte Kanonen bildeten. Starke Anleihen nahm man bei der Gestaltung des Wappens bei jenem der Gebietskörperschaft Woolwich, von dem man auch den Wahlspruch »Clamant nostra tela in Regis querela« (»Unsere Waffen streiten im königlichen Kriege«) übernahm. Dass die Wahl auf Kanonen fiel, lag angesichts der stark militärisch geprägten Geschichte der Gegend auf der Hand. Noch heute prägt die Kaserne des Royal Regiment of Artillery sowie das erst 1991 geschlossene Royal Arsenal, ein Rüstungs- und Sprengstoffversuchsunternehmen, die Gegend.
Die geografische Isolation im unterbevölkerten Plumstead Common und die daraus resultierenden geringen Zuschauereinnahmen zwangen Arsenal 1913 zum Umzug nach Highbury in den Norden der Hauptstadt – bis heute eines der wenigen Beispiele von Fußballvereinen, die ihr ursprüngliches Gründungsgebiet verlassen haben. Obwohl man damit seine geografischen Bande zu Woolwich kappte und sich von »Woolwich Arsenal« schlicht in »The Arsenal« umbenannte, blieb die Kanone Bestandteil der Clubidentität. Am ersten Spieltag der Saison 1922 / 23 enthüllte man ein neues Wappen, mit einer bedrohlich wirkenden, nach Osten weisenden Kanone, neben der der mittlerweile legendäre Spitzname des Vereins, »The Gunners«, prangte. Nur drei Jahre später veränderte man das Logo erneut, nunmehr zugunsten einer nach Westen gerichteten, im Profil dargestellten etwas schlankeren Kanone, so wie sie auch im Emblem des Royal Arsenal Gatehouse Verwendung fand.
Zu Beginn der Spielzeit 1949 / 50 schlug die Stunde des berühmt gewordenen »Victoria Concordia Crescit«-Abzeichens, das den Club über ein halbes Jahrhundert nahezu unverändert begleiten sollte. Das lateinische Motto (»Erfolg entsteht aus Harmonie«) war erstmals zwei Jahre zuvor im Programmheft des letzten Saison-Spieltages aufgetaucht und wurde nun vom Club offiziell als Maxime übernommen. Auf dem Wappen schmückte es auf einer Spruchrolle einen darüber stehenden, mit Hermelinpelz gekrönten Schild, der die bekannte Kanone sowie das Wappen des Londoner Stadtbezirks Islington, seit 1913 Heimat des Klubs, birgt. Als Farbe wählte man Rot, das – wenn auch in unterschiedlichen Schattierungen – seit der Gründung, als man den ersten Satz Trikots von Nottingham Forest gespendet bekam, auch traditionelle Dressenfarbe war.
Ein Kind des modernen Fußballgeschäfts ist das neue Abzeichen: Aufgrund der teils unklaren Herkunft der unterschiedlichen Elemente des Wappens war es dem Verein nicht möglich, dieses urheberrechtlich schützen zu lassen. Daher entschloss man sich 2002, mit Blick auf das lukrative Merchandising-Geschäft, sehr zum Missfallen weiter Teile der Anhängerschaft zur Neugestaltung. Das Ergebnis des siebenmonatigen Designprozesses – vom Vereinspräsidium als Evolution, nicht als Revolution bezeichnet – quittierten die Fans im Stadion allerdings mit einem unmissverständlichen »What a load of rubbish«.
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