SC Corinthians Paulista: Timão
Brasiliens zweitgrößte Liebe, der »beste Club der Welt«, der »Timão« aus São Paulo: von Rudern, Anker, Steuerrad und Fußball.
Die Geburtsstunde des »Sport Club Corinthians Paulista« schlug am 1. September des Jahres 1910, als eine Gruppe von Arbeitern aus Bom Retiro, einem Bezirk São Paulos, beschloss, ihren eigenen Fußballklub zu gründen. Fußball war zur damaligen Zeit in Brasilien ein Sport der Eliten, der von Nachkommen britischer Einwanderer und Arbeitern britischer Unternehmen ausgeübt wurde. Ziel der Clubgründung war es, den Fußballsport einer breiten Masse zugänglich zu machen. Das Image des Arbeitervereins wird vom Klub bis heute nicht nur mit der Bezeichnung »clube dos operários« erfolgreich gepflegt.
Vorbild bei der Namensgebung war der – in seiner ursprünglichen Form leider nicht mehr existierende – englische Club »Corinthians F.C.«, eine Amateurmannschaft aus London, deren Vereinssatzung es den Spielern verbot, an Wettbewerben und Preisspielen teilzunehmen. Da ihnen auf diese Weise Spiele gegen die besten Vereine aus der englischen Football Association weitgehend versagt blieben, begab sich der Club zunehmend auf weltweite Tourneen, die sie 1910 auch nach Brasilien führten, wo sie alle sechs angesetzten Freundschaftsspiele gewannen. Unter dem Eindruck des erfolgreichen Spiels der Engländer erhielt der Vorschlag des Arbeiters Joaquim Ambrósio den Vorzug vor den Alternativen »Carlos Gomes Football Club« und »Futebol Clube Santos Dumont«.
Blieben die Corinthians zunächst noch ohne Vereinsemblem, musste 1913 für die erstmalige Teilnahme in der Liga Paulista, der Staatsmeisterschaft von São Paulo, eines geschaffen werden. In der Eile entschied man sich für die überlagerten Buchstaben »C« und »P« als Abkürzung für »Corinthians Paulista« bzw. »Club Paulista«, die man für zwei Spiele auf den Dressen trug. Schon im Jahr darauf entwarf der Lithograf Hermógenes Barbuy, Bruder des Corinthian-Spielers Amílcar, das erste Clubwappen. Er fügte zum bestehenden Abzeichen den Buchstaben »S« hinzu und arrangierte die überlagerten Buchstaben auf einem schwarzen Schild. Die Erscheinungsformen dieses ersten Wappens variierten in den darauffolgenden Jahren jedoch häufig. 1916 erhielt es seine runde Form, die den Club bis heute begleitet. Eine konstantere Ausdrucksform der Clubidentität schuf man erstmals 1919, als ein neues Wappen auf den Dressen der Spieler auftauchte, das bis zum heutigen Tag nur mehr in Details verändert wurde. Inmitten eines schwarzen Kreises mit dem Schriftzug »S.C. Corinthians Paulista« und dem Gründungsjahr ist die (nicht ganz detail- und farbgetreue) Flagge des Bundesstaates São Paulo zu sehen.
Eine umfangreiche Überarbeitung erfuhr das Wappen 1940, als es der Maler und ehemalige Corinthians-Ersatzspieler Francisco Rebolo Gonsales gleich um mehrere Referenzen an die nautischen Sektionen des Vereins erweiterte: Er fügte dem zentralen Kreis eine Boje, hinter der sich ein Anker und zwei Ruder kreuzen, hinzu. Dafür verzichtete er auf fünf der 13 eigentlich vorgeschriebenen Querstreifen der Flagge São Paulos. Die Ehrenbezeugung an den Wassersport tragen die Corinthians heute auch im Spitznamen: »Timão« bedeutet »Steuerrad«, praktischerweise aber auch »Das große Team«.
Weitere Bearbeitungen des Clubwappens fanden in den Folgejahren zwar statt, brachten aber keine grundlegenden Änderungen mehr. Die Boje wurde durch ein Seil ersetzt, Anker und Ruder wurden detailreicher gestaltet, die Flagge São Paulos bekam mehr Bewegung und die ihr zustehenden 13 Streifen. Gerne ergänzt der Verein sein Wappen durch Sterne als Symbol für gewonnene Titel. Fünf sind es derzeit: vier kleinere für die brasilianischen Meistertitel (1990, 1998, 1999, 2005) und ein großer mit Silberrand für den Gewinn der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft (2000). Den Grundstein für weitere Erfolge legte der Verein in der aktuellen Spielzeit mit dem Wiederaufstieg in die Série A.

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